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Im September 2026 jähren sich die Ausschreitungen in Hoyerswerda zum 35. Mal. Zur Gedenkwoche »Erinnerungen – Einsichten – Perspektiven« vom 22. bis 27. September 2026 wird diesen Ereignissen auf besondere Weise gedacht.


Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Hoyerswerda

Gemeinsam mit der Initiative Zivilcourage organisiert die Stadtverwaltung mit zahlreichen Partnern das Gedenkwochenende »Hoyerswerda 1991: Erinnerungen – Einsichten – Perspektiven« vom 22. bis 27. September 2026.

Seit den Ereignissen aus dem Herbst 1991 steht bei vielen der Name Hoyerswerda als Synonym für Ausländerfeindlichkeit, Intoleranz und Rechtsextremismus. Die zurückliegenden 35 Jahre zeichnen ein anderes Bild von Hoyerswerda. Trotz der gravierenden Probleme und Herausforderungen, denen sich die Stadt auf Grund der demografischen Entwicklung und struktureller Umbrüche stellen muss, gibt es weiterhin intensive Bemühungen und sichtbare Erfolge bei der Gestaltung eines bunten und von Urbanität geprägten öffentlichen Lebens in Hoyerswerda.

Mit den Veranstaltungen möchten wir einerseits die Sicht der damaligen Opfer zeigen, andererseits den Blick auch auf Gegenwart und Zukunft richten. Nur wenn man die
Ereignisse aus dem Herbst 1991 als Teil der Stadtgeschichte von Hoyerswerda annimmt, kann das zu einem Aufeinanderzugehen und zu Versöhnung führen.

Ich lade Sie ein, sich bei den vielfältigen Veranstaltungen zu informieren, zu erinnern, Ihre Sichtweise auf die Geschehnisse darzulegen und über aktuelle Probleme und Fragen zu diskutieren.

Ihr Torsten Ruban-Zeh
Oberbürgermeister Stadt Hoyerswerda


Programm der Gedenkwoche »Hoyerswerda 1991« 2026

21. September bis 31. Dezember 2026
»Herbst ’91« – Eine Ausstellung mit Zukunft

Volkshochschule Hoyerswerda, Lausitzer Platz 4 (Erdgeschoss)
Rekonstruktion der Ereignisse anhand von Polizeiberichten und einer ersten Auswertung der lokalen Presse.

Die Ausstellung entstand 2011 und dokumentiert die damaligen Geschehnisse anhand von Zeitdokumenten, Polizeiberichten und Zeitungsartikeln aus dem September 1991 in Hoyerswerda. Sie lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich mit einem wichtigen Kapitel der Stadtgeschichte auseinanderzusetzen und die Ereignisse aus Sicht der Polizei und Medien zu betrachten.
„Herbst ’91“ schafft Raum für Erinnerung, Diskussion und die Frage, welche Bedeutung die damaligen Ereignisse bis heute für das gesellschaftliche Zusammenleben haben.


22. September 2026 | 17:00 Uhr
Stadtrundgang: Zwischen Erinnerung und Verantwortung

Treffpunkt: Lausitzer Platz (und dann weiter im Stadtgebiet)
Die Ereignisse von Hoyerswerda 1991 an den Orten der Geschehnisse rekonstruiert von Dr. Christoph Wowtscherk.

Im September 1991 wurde Hoyerswerda bundesweit zum Symbol rassistischer Gewalt nach der deutschen Wiedervereinigung. Während eines geführten Rundgangs werden ausgewählte Orte besucht, an denen sich die damaligen Ereignisse abspielten. Dr. Christoph Wowtscherk vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben rekonstruiert die Geschehnisse Schritt für Schritt und ordnet sie in ihren historischen und gesellschaftlichen Kontext ein. Dabei werden sowohl die Abläufe der Ausschreitungen als auch die Reaktionen von Politik und Stadtgesellschaft thematisiert. Die Veranstaltung lädt dazu ein, sich kritisch mit der Geschichte Hoyerswerdas auseinanderzusetzen und über Erinnerungskultur, Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung ins Gespräch zu kommen.

Anmeldung unter vhs-hoyerswerda.de

23. September 2026 | 14:00 Uhr
Ausstellungseröffnung: See my Story. Copyright by Madgermanes

Lausitz-Center Hoyerswerda, gegenüber Intersport
Die multimediale Ausstellung gibt in sechs kurzen Videos und zwölf kooperativen fotografischen Selbstporträts den sogenannten Madgermanes eine Stimme.

Etwa 20.000 von ihnen kamen aus Mosambik in die DDR, viele von ihnen mussten in den Zeiten der politischen Wende das Land wieder verlassen. Unter künstlerischer Projektleitung der Berliner Fotografin und Soziologin Sabine Felber (Foto) trafen sich im Jahr 2025 Lúcia Bila, José Cossa, António Hoana, Arnaldo Mendes, Augusta Mucandua, Nelson Munhequete, Julião Mutondo, Manuela Nhancume, Mário Sitoe, Lurdes Eli Uate und Filomena Vassoa zu Workshops in Maputo. Gemeinsam mit der mosambikanischen Choreografin und künstlerischen Leiterin Kátia Manjate sowie Digital-Artist Kayesun Assis aus Maputo entstanden dabei sowohl ganz eigene persönliche Videos, als auch Fotografien, in denen sie als zentrale Figuren zu einem authentischen Selbstausdruck finden.

Die Ausstellung ist bis 9. Oktober 2026 kostenfrei zu sehen.

23. September 2026 | 15:00 Uhr
Pogrom 91 – Nie wieder ist jetzt!

Denkmal am Zentralpark, Ecke Straße des Friedens / Dr.-Wilhelm-Külz-Straße
Mit Blick auf das ehemalige Vertragsarbeiterwohnheim wollen wir daran erinnern, was hier vor 35 Jahren geschah. Und fragen, wie mit dem Erbe der Vergangenheit umzugehen ist.

Damals belagerte ein faschistischer Mob das Wohnheim in der Albert-Schweitzer-Straße. Steine und Brandsätze flogen in die Fenster. Hunderte von Anwohnern standen daneben und klatschten Beifall. Die Vertragsarbeiter wurden schließlich aus der Stadt und außer Landes gebracht – in ein Leben in Armut. Kaum vorstellbar dabei ist, dass gerade Schülerinnen und Schüler in Hoyerswerda nichts über das Pogrom von 1991 wissen und es in Schulen nicht oder nur wenig thematisiert wird. Die von der Kulturfabrik initiierte Arbeitsgruppe erstellte nun Schulmaterial zu den Ereignissen, das allen Lehrkräften zugänglich gemacht wird. Die verantwortliche Pädagogin Elisa Moczygemba, die Autorin Grit Lemke und der Projektkoordinator Karsten Held stellen das Projekt und erste Evaluierungsergebnisse vor, eine Schülerin berichtet von ihren Erfahrungen. Das Projekt soll auch durch Einbeziehung von Zeitzeugen zur Zivilcourage ermutigen und befähigen.


23. September 2026 | 15:30 Uhr
Kaffeegespräch: »Wir müssen reden«

Martin-Luther-King-Haus, Dietrich-Bonhoeffer-Straße 11
Wo lässt es sich besser reden als an einer Kaffeetafel? Fühlen Sie sich eingeladen, neue Menschen kennenzulernen.

Manche Menschen kommen von weit her und haben Hoyerswerda als ihre neue Heimat erkoren, manche hat es eher zufällig hierher verschlagen. Hoyerswerda ist eine Stadt der Zugezogenen. Kann man auf diesem sandigen Boden Wurzeln schlagen? Das haben wir mit einer kleinen Fotoausstellung versucht zu erkunden. Gundi hat einst gesungen: „gleich hinter dem Ortseingangsschild war es plötzlich ganze vier Grad wärmer“. Das lag vielleicht nicht nur an der verheizten Kohle, sondern an einigen Menschen hier. Es braucht aber auch Orte, um zusammenzukommen. Dafür steht das Martin-Luther-King-Haus in seiner langjährigen Tradition. Mit der neuen Pfarrerin Raphaela Müller wird es wieder ein Ort der Begegnung, wo jeder Mensch einen Platz finden kann, egal welcher Glaubensrichtung er angehört.

Bei gutem Wetter im Außenbereich der Kirche

23. September 2026 | 18:00 Uhr
Dokfilm & Schlossgespräch: »Die Möllner Briefe«

Schloss Hoyerswerda, Schlossplatz 1
Regisseurin Martina Priessner im Gespräch.

Im November 1992 zerstörte der rassistische Brandanschlag von Mölln die Leben von İbrahim Arslan und seiner Familie. Der damals siebenjährige İbrahim überlebte, verlor aber seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter. Die Stadt Mölln erhielt Hunderte Briefe mit Solidaritätsbekundungen, von denen aber fast drei Jahrzehnte niemand Notiz nahm. Der Film eröffnet eindrucksvoll Perspektiven auf Erinnerung, Trauma und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Deutschland 2025 | Dokumentarfilm | FSK 12 / 96 Min.

Im Anschluss des Films spricht die Hoyerswerdaer Autorin und Filmemacherin Grit Lemke mit der Regisseurin des Films Martina Priessner. Dabei besteht Gelegenheit, über den Film, die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung von Erinnerungsarbeit und gesellschaftlicher Verantwortung ins Gespräch zu kommen. Thematisiert werden aber auch die Erfahrungen der Überlebenden und die große Solidarität, von der die Opfer lange nichts wussten.

Anmeldung unter vhs-hoyerswerda.de

26. September 2026 | 14:00 Uhr
In Erinnerung an Mike Zerna – Einweihung Gedenkstein

Am damaligen Tatort, Ziolkowskistraße 35
Mike Zerna wurde in der Nacht zum 20. Februar 1993 bei einem Neonaziangriff auf den Club „Nachtasyl“ in der Hoyerswerdaer Neustadt so schwer verletzt, dass er wenige Tage später im städtischen Klinikum verstarb. Er wurde nur 22 Jahre alt.

Mit dem tödlichen Überfall auf das „Nachtasyl“ eskalierte die rechte Gewalt in Hoyerswerda. Im Schatten der Wiedervereinigung und der damit verbundenen gesellschaftlichen Umbrüche erstarkte in der gesamten Region eine rechtsradikale (Jugend-)Subkultur, deren Akteure zum Teil mit massiver Gewalt versuchten, das gesellschaftliche Klima ganzer Landstriche zu dominieren. Es folgten zahlreiche rassistische Gewalttaten sowie Angriffe auf Andersdenkende, Asylunterkünfte, Jugendclubs und Diskotheken. Im Zeitraum von 1990 bis 2000 wurden dabei allein im Umkreis von 50 Kilometern um Hoyerswerda mindestens sechs weitere Menschen aus rechten Motiven getötet. Im Austausch mit Angehörigen und weiteren Zeitzeug*innen entstand die Idee, einen dauerhaften Gedenkort zu schaffen, um die Erinnerung an Mike Zerna und den Angriff auf das „Nachtasyl“ auch in Zukunft im Stadtbild wachzuhalten. Lasst ihn uns gemeinsam am Sonnabend einweihen. Gern können Blumen mitgebracht werden.


27. September 2026 | 9:30 Uhr
Gottesdienst

Martin-Luther-King-Haus, Dietrich-Bonhoeffer-Straße 11
In der jüdisch-christlichen Tradition wird immer wieder erinnert an die Verantwortung für den Nächsten – für den Menschen, der gerade auf „meine Hilfe“ angewiesen ist. In den anderen großen Religionen ist dieses Rufen zu einem solidarischen Miteinander ebenfalls präsent. Der Gottesdienst will dies wiederholt in Erinnerung rufen.




Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes sowie durch den Landkreis Bautzen über die »Partnerschaften für Demokratie«.