Fragen zur Zivilcourage?

03571 2093330

Schreiben Sie uns

hallo@zivilcourage-hoy.de

Binnen zehn Minuten klebten die großen Buchstaben auf dem Pflaster des Lausitzer Platzes. Über 100 Einwohner wirkten mit. „HOYERSWERDA SAŬDA MOÇAMBIQUE“ (Hoyerswerda grüßt Mosambik) hieß ihre klare Botschaft. Hoyerswerda solidarisiert sich mit seinen früheren mosambikanischen Vertragsarbeitern. Diese mussten 1991 infolge der fremdenfeindlichen Ausschreitungen die Stadt notgedrungen verlassen.

Das Video zur Aktion auf Youtube
„Wir wollen daran erinnern und uns solidarisch zeigen. Wir wollen den Blickwinkel weiten. Es geht uns um die direkt Betroffenen von damals“, unterstrich Cindy Paulick, Mitorganisatorin von der Initiative Zivilcourage Hoyerswerda e. V., Freitagabend vor Ort. Bürger aus Vereinen, Par-teien, Sport- und Kulturgruppen, Feuerwehr, Demokratie-Projekten, der Stadt und des Bürgerbündnisses „Hoyerswerda hilft mit Herz“ wirkten mit. „Wir wollen das Wissen um das erlittene Unrecht der Vertragsarbeiter nach außen tragen“, sagte Sabine Proksch, Mitorganisatorin von der Initiative Zivilcourage Hoyerswerda e. V.. „Es ist keine Schuldfrage. Es ist eine Frage der Gesamtverantwortung.“

Rund 21.000 mosambikanische Vertragsarbeiter gab es in der DDR. Unter anderem lebten sie in der Lausitz. Hier absolvierten viele ihre Ausbildung im Gaskombinat Schwarze Pumpe. 60 Prozent ihrer Löhne wurden damals einbehalten. Sie sind bis heute nicht ausbezahlt. Arbeitsverträge wurden damals rechtswidrig beendet. Doch es gab nie dafür eine Entschädigung. Jahrelang hatten die Vertragsarbeiter in die DDR-Rentenkasse eingezahlt und damit Renten-Ansprüche erworben. Doch bis heute erhielten sie keinerlei Renten-Zahlung. „Durch den schnellen Abtransport aus Hoyerswerda sind viele nicht mehr in den Betrieb gekommen und konnten ihre Unterlagen nicht mitnehmen. Dadurch können sie bis heute noch nicht einmal ihre Ansprüche nachweisen“, erläuterte Sabine Proksch und verlas eine Erklärung von 19 früheren Vertragsarbeitern um David Mavinguane Macou. „Sie haben in die Arbeitslosen-versicherung eingezahlt, aber nie Arbeitslosengeld bekommen. Sie haben Gewerkschaftsbeiträge gezahlt, aber die Gewerkschaft hat sich bis heute nicht für sie eingesetzt. Seit ihrer Rückkehr sind sie arbeitslos, viele sind bereits tot, weil sie sich keine gesundheitliche Versorgung leisten konnten, viele sind auch direkt nach ihrer Rückkehr gestorben, weil dort noch Krieg war, viele haben sofort alles verloren, viele sind nie zurück in ihre Heimatorte gekommen, weil sie kein Geld für die Weiterfahrt aus Maputo hatten….“ An jenes Unrecht erinnerte die Aktion Freitag auf dem Lausitzer Platz. Die Teilnehmer forderten eine faire Entschädigung gegenüber den Vertragsarbeitern von damals – und das sowohl vom deutschen als auch vom mosambikanischen Staat.

Fotos (2): Dirk Lienig

„Wichtig ist mir, Gemeinschaft zu zeigen, Solidarität zu zeigen. Solche Ereignisse wie 1991 dürfen sich nicht wiederholen“, meinte Teilnehmerin Ute Heinrich, seit rund 20 Jahren Mitglied der Kulturfabrik. Dort wirkt sie in der Theatergruppe mit. „Nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen damals versuchten wir, etwas Gutes zu bewirken. Unser Verein Projektarbeit Mosambik e. V. bestand bis Dezember 2015. Er hatte bis zu 23 Mitglieder“, meinten Monika Gernetzke und Annemarie Henjes vom Verein. In Mosambik in der Hafenstadt Beira Ortsteil Manga-Mashkarenia rief der Verein ein Gesundheitszentrum ins Leben. Er grün-dete zudem eine Schule. Dort lernen 900 Kinder. Beide Einrichtungen bestehen bis heute. Kontakte und Freundschaften dortiger Kräfte mit den Hoyerswerdaern sind entstanden. „Aus Verbundenheit und aus Solidarität bringen wir uns bei der jetzigen Aktion ´Hoyerswerda grüßt Mosambik mit ein“, unterstrichen Monika Gernetzke und Annemarie Henjes. Zu den Mitwirkenden gehörten Freitag zugleich Vertreter des Bürgerbündnisses „Hoyerswerda hilft mit Herz“. Hanifa Kunes (Syrien), Jessy Rotty (Liberia) und Falak Khalil (Syrien) engagieren sich dort ehrenamtlich. Sie unterstützen die Kinder-Betreung, Übersetzungen ins Deutsche und das Begegnungscafé. Daran wollen sie künftig anknüpfen. Sie wollen mehr über die Geschichte von Hoyerswerda erfahren.

(Text mit freundlicher Genehmigung von Andreas Kirschke / Serbske Nowiny)

Empfohlene Artikel